Anna Laudere mit ihrem Studiohund Chaplin

„Im Ballett kann man niemals genug sein, Perfektion gibt es nicht“ 

Ein Hund döst auf der Decke, Licht fällt durch hohe Fenster, und irgendwo dazwischen tanzt Anna Laudere schon in Gedanken weiter. Zwischen Papier, Musik und Erinnerungen zeigt die Erste Solistin des Hamburg Ballett, wie man ein Leben führt, das ganz und gar Kunst ist.  Das Kostüm aus Die Kameliendame hängt noch unsichtbar in der Luft, strahlend und glitzernd, erst gestern Abend schwebte sie in den schönsten Kleidern als Marguerite Gautier über die Bühne der Hamburger Staatsoper. Jetzt sitzt Anna Laudere im Trainingsraum des Ballettzentrum Hamburg John Neumeier in Hamm, in lila Leggings, gestreiftem Shirt, zartrosa Aufwärmstiefeln, unaufgeregt und natürlich. Die eine Wand verspiegelt, das Licht breit und kühl, dahinter zeigt das Wandgemälde Orpheus mit den Tieren von Anita Rée …

 „Ich habe in Hamburg einen Ort geschaffen, an dem aus Fremden Freundinnen werden“

Mit ihrem eigenen Kreativstudio erfüllte Lisa sich im November diesen Jahres einen langersehnten Traum. Im Herzen der Sternschanze gibt sie nun Näh- und Strickworkshops und schafft einen gemütlichen Space zum Austauschen und Wohlfühlen. Wer Lisas Kreativstudio in der Amandastraße 50 betritt, merkt sofort: Hier steckt Liebe und Gemütlichkeit in jeder Ecke. In den skandinavischen Holzregalen stapeln sich Wollknäuel neben bunten Kerzen und Deko aus Keramik, an der Wand gegenüber hängt eine Pinnwand mit kleinen, viereckigen Strickproben und auf dem Tisch im vorderen Bereich des Raumes steht eine Kanne mit dampfendem Früchtetee. Im Hintergrund läuft leise ein Song von Taylor Swift …

Neele Suckert vor der Bar Bleu für ihre Kolumne man wird ja wohl noch urteilen dürfen

Ich mach jedes Weihnachten blau

Während andere auf dem Weihnachtsmarkt frieren, feiert unsere „Women of Hamburg“-Kolumnistin Neele Suckert im Zigarrenblau der Bar Bleu – zwischen Weißwein, Aschenbechern und Barkultur, die sie direkt in eine besinnliche Stimmung versetzt.  Es gibt Orte in Hamburg, die versprechen Weihnachtsstimmung, und solche, die sie tatsächlich liefern. Das Alsterhaus gehört eindeutig zur ersten Kategorie. Ich betrete es jedes Jahr in der Hoffnung, dass mich zwischen Champagnerkübel und Decken aus ägyptischer Baumwolle der Geist der Weihnacht küsst – aber sobald ich an der Parfümabteilung vorbeikomme, riecht alles nach gesprengten Kreditrahmen. Auf den Rolltreppen schiebt sich eine Mischung aus Modestudentinnen in Totême-Mänteln und Berufsehefrauen mit Anita Hass Moon Boots nach oben, während im Hintergrund „Last Christmas“ läuft, als …

„Hamburgerinnen riechen nach Pfingstrose, Ozean, Tabak und auch nach Gurke“  

Dr. Claire Guillemin hat ihre Kindheit zwischen Brasilien, Afrika und Duty-Free-Parfümerien verbracht. Heute lebt sie mit ihrem Mann und Kindern in Hamburg und lädt in ihrem „Parfum-Atelier“ in Eppendorf dazu ein, die Sinne neu zu entdecken. Unter ihrer Anleitung entstehen 30mlParfums, die beispielsweise nach Rosen, Veilchen, Sandelholz oder Ozean duften Es ist Vormittag in Eppendorf, das Licht fällt weich durch das große Schaufenster ihres Ateliers, streicht sanft über die jadegrünen Wände und die kleinen, sorgfältig arrangierten Duftorgeln, Messzylinder und Formbögen für die Parfums stehen auf dem Tisch, daneben Gläser mit Limonade die nach Rosen, Veilchen oder Lavendel duften. Dr. Claire Guillemin reicht eines davon rüber, lächelt, der französische Akzent schwingt sanft …

„Bei uns sind alle willkommen. Hier wird niemand zurückgelassen“

Lisa Kuesters gründet erst im Frühjahr 2025 The Female Run Club – zunächst um Hamburg als ihr neues Zuhause kennenzulernen. Heute schaut sie zurück auf den Startschuss und erzählt von Beharrlichkeit und Motivation. „Hier bin ich noch nie gewesen“, sagt Lisa, nachdem sie sich ihren Hafermilch-Cappuccino bestellt. Beides ist typisch für sie, wie ich später erfahren werde. Die 33-jährige Münsteranerin nennt Hamburg erst seit anderthalb Jahren ihre Heimat – ganz klar, dass sie noch nicht jede einzelne Ecke der Hansestadt auskundschaften konnte. So auch noch nicht unseren Treffpunkt, das Café Mitte Hamburg in St. Georg. Die Lust, Neues auszuprobieren, ist …

In Hamburg sind alle Mädchen Barbourgrün 

In der neuen Ausgabe von „Man wird ja wohl noch urteilen dürfen” erzählt die „Women of Hamburg“-Kolumnistin Neele Suckert, wie aus einer schlichten Wachsjacke ein unausgesprochener Gesellschaftsvertrag wird und warum in Hamburg nicht nur die Stadt, sondern auch die Garderobe zuverlässig Barbourgrün ist.  „Du siehst aus wie eine englische Prinzessin“, hat letztens ein Kollege gesagt, als ich im Verlag mit meiner schlecht nachgewachsten Barbourjacke auftauchte. Meine Nägel waren passend mit Essies Ballet Slippers lackiert – klar, die Lieblingsfarbe der verstorbenen Queen. Der Vergleich passte, und ich musste schmunzeln, weil ich sie eigentlich nur trage, wenn es regnet und in Hamburg regnet es bekanntlich ja fast immer. Die Jacke war nie ein Fashion-Statement, eher eine Notwendigkeit. Eine Regenversicherung mit …

Susanne Hasenjäger sitzt im Indra auf einer Bank für ihr Portrait bei Women of Hamburg

„Früher war die Stadt freier, wilder, vielleicht auch chaotischer”

Susanne Hasenjäger kennt Hamburg seit Mitte der 80er. Als Moderatorin beschäftigt sie sich beruflich mit Musik und weiß genau, wo dieser Zeitgeist noch spürbar ist. Von den Kultclubs der Großen Freiheit bis in die kleinen Clubs der Schanze – hier hat sie die Bands begleitet, die die Hamburger Schule prägten, und Kiez-Legenden getroffen. Über intelligente Mädchen und schöne Parties, von coolen Platten und handküssenden Greisen. Susanne Hasenjäger aus Langenhorn Es ist 13 Uhr auf der Großen Freiheit. Ungewöhnlich früh für diese Ecke Hamburgs, in der man meist nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs ist. NDR-Moderatorin Susanne Hasenjäger wartet am Eingang des …

Kimberly Botte, freiwillige Feuerwehr

„Wenn ich wegziehe, muss ich die Feuerwehr verlassen – und das ist keine Option“

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Winterhude findet Kim nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch Freunde fürs Leben – und würde dafür nicht ihren Stadtteil Barmbek-Süd verlassen.  Es ist früher Abend, als der Melder piept. Kim schlüpft in die Schuhe, das Fahrrad steht bereit, ihr Atem geht schnell. Nur 13 Minuten darf sie brauchen, bis sie umgezogen in der Wache der freiwilligen Feuerwehr Winterhude steht. Die Angst beim Einsatz etwas falsch zu machen ist da, aber es ist nur ihr Kopf, der ihr Streiche spielt. Denn ihre Hände wissen genau, was sie tun. An ihren ersten Einsatz erinnert Kim sich noch genau: „Ich war super nervös, aber es war toll, das, was ich gelernt hab, anzuwenden und zu helfen“, sagt sie. Ihre Augen leuchten dabei.      Mit zehn Jahren fing Kim bei …

Women of Hamburg Kolumnistin Neele Suckert fragt sich, ob Hamburg seine eigene Version des New Yorker Happy Meals hat in der Lions Bar

Auf der Suche nach dem Hamburger Happy Meal

Diese Woche nimmt uns die „Women of Hamburg“-Kolumnistin Neele Suckert in der ersten Ausgabe von “Man wird ja wohl noch urteilen dürfen” mit zur Cocktailstunde ins Heritage – zu Pommes, Martini und der Frage, ob Hamburg überhaupt loslassen kann. Ein Abend zwischen Happy Meal und Happy Hour.  „This is the New York Happy Meal“, sagte ein guter Bekannter von mir und schob mir grinsend einen Teller Pommes rüber, während ich etwas abgehetzt meine Tasche unter dem Tisch der Cocktailbar im Heritage verstaute. Martini in der einen, Fritten in der anderen Hand – ein Konzept, das so amerikanisch ist, dass es fast schon wieder charmant wirkt. Fett, Kohlenhydrate, Alkohol: eine Dreifaltigkeit, die jede Deadline vergessen lässt …

Sylvie Kahl isst ein Stück Pizza in der Clermont Weinbar in Pöseldorf

„Pöseldorf ist Champagner mit Kippe“

PR-Managerin Sylvie Kahl kennt Hamburg wie den Eventkalender des Zwicks. Vom Sauvignon Blanc auf der Terrasse der Clermont bis zum Ratsherrn im Bierkrug – in Pöseldorf weiß sie, wie man mühelos auffällt. Sylvie Kahl, 32, PR-Managerin aus Pöseldorf Die Heizstrahler auf der Terrasse der Clermont Weinbar am Mittelweg werfen ein warmes Licht auf den Herbstabend. Sylvie sitzt mir gegenüber, ein Glas Sauvignon Blanc in der Hand, blondes Haar umspielt die Schultern, rote Nägel, schwarzer Blazer, filigraner Goldschmuck. Zurechtgemacht für die schöne Bar im nobelsten Viertel der Stadt. Sie lächelt viel, ohne dass es bemüht wirkt, und greift nach der Pizza aus dem …